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Literarisches von Werner Nennich



  • Winter
     Leergeräumt die Landschaft
     Durchs Geäst
     Schimmert Zeit
     Kindheit
     Moosbesetzt
     Die Gesichter der Ahnen
    
     Tage des Stillstands
     Januar
     Das Ende
     Der Gezeiten
    
     Zur Probe unter den Acker
     Winterschlaf
     Tod temporär
    
     Dann
     Aus unbewegtem Himmel
     Die erste Flocke
    
     Schnee
    
     Alles scheint  gut
  • Inventur
      
     Jahresende, Jahresanfang
     Immer noch wird übergestorben
     Stau im Krematorium
     Ausnahmezustand nachts
    
     Nur die Polizei fährt im Schritttempo die Hauptstraße hinunter
     Sonst keinerlei Verkehr, keine Menschen
     Selbst die Katze wundert sich
     Und trottet über den leeren Platz
    
     Alles wirkt wie ein Film
     Ein schlechtes Drehbuch à la Hollywood
     Typen in Theaterkostümierung marodieren durchs Kapitol in Washington
     Befinden sich in einem alternativen Narrativ
      
     Draußen auf dem Schneefeld, schwarz im Kontrast
     Die Krähenschar, gesprächig
     Diskutiert krähend den Klimawandel
     Und erhebt sich fluchend in die Lüfte 
  • Das Pferd der Zeit

    Das Pferd der Zeit galoppiert durchs Jahresende. Aus der grauen Nebelwand des Novembers taucht es auf, durchquert den Parcours. Adventsonntage, schnell vorbei, wird es mit der Anzahl der Kerzen heller, heller, dann schon Heiligabend, wieder vorbei, der geschmückte Baum noch im Raum, Spiegelglanz, Girlandenlämpchen orange und gelb und rot und blau und das Engelsorchester, erzgebirgisch, über der Krippe und der provenzalische Trommler, ruft, trommelt zum Fest, zur Freude, das allein ist schon okay, ein Geburtstag, ein Kind, ein Baby, neues Leben, das ist Grund zur Feier genug. Auch wir feiern, rücken wir aneinander, Zeit ist da, Zeittüren geöffnet geben den Blick durch die Jahre, wieder Weihnachten, wieder Weihnachten, wieder dieselbe Besetzung in der Krippe und wir vor der Krippe, der Engelglanz springt über in unsere Augen.

    Silvester:     Mehr Knall als Kerze
                   Mehr Korken als Krippenspiel
                   Wir knallen an die Wand, an die Kalendermauer
    
     Hopp, der Sprung übers Hindernis
     Und das Zurückfinden in die Alltäglichkeit
     Und doch, wir haben neues Terrain gewonnen
     Hinaus, hinaus ins weite Feld des Neuen Jahrs!
    
     Lauf Pferd! Lauf!
     Bewahr‘ Dir das Gefühl der Freiheit!
  • Mittendrin
     Es gibt nur das Jetzt, wir sind die Gegenwartstiere
     Was vor dem Jetzt, was nach dem Jetzt
     Ist immer nur Kopfsache
     Kein Akt aus Fleisch und Blut und Lust
    
     Mittendrin in der zweiten Coronawelle
     Diesmal gesund, noch, möge es so bleiben!
    
     Das ist die Verortung:
     Oben auf dem Kamm der Welle
     Knapp vor der überschlagenden Gischt
     Man spürt den Druck der Richtung Land laufenden Masse
     Die Geschwindigkeit, Zeit setzt sich um in Tempo
     Reiten wir die Welle
     Reiten wir die Zeit
    
     Mittendrin, obenauf
     Unten das Grundwasser, die Strömungsfelder der Träume
     Oben das Licht, die uns tödlich blendende Sonne
    
     Mittendrin der Tod
     Hinter uns, vor uns
     Immer schon da
    
     Mittendrin, obenauf
     Da ist der Jubel:
     Hurrah, ich lebe
     Hurrah, wir leben noch!
    
     JW/  Dez. 2020
  • Zeit-Raum

     Durch den Raum gehen wir
     Eigentlich durch die Zeit
     Berieselt sie uns mit Blättern
     Benetzt uns mit Nebel
     Grüßt als untergehende Sonne …
    
     Voll ist der Raum,
     Den wir betreten,
     Mit der Zeit
    
     Streichelt sie uns die Wangen
     Grüßt mit dem Duft einer Rose
    
     Und auch in der Nacht ist die Zeit da
     Schwarz liegt sie um die Dinge
     Und am Tag läuft sie blau aus dem Stift
     Schreibt als Wort, als Zeile, als Text
     Atmet in der Interpunktion
    
     Und bleibt,
     Sie bleibt,
     Die Zeit bleibt,
    
     Kennt nicht sich selbst, ist sich vorbewusst
     Und wir gehen hindurch
     Wie Engel durch Scheiben
     Wie ein Lied durch die Liebe
     Wie ein Glück, schon entschwunden
     Wir gehen hindurch
     An uns selbst vorbei
    
     Fliegt uns unser Name wie eine Mütze vom Kopf
    
     Wieder frei
     Wie der Raum
     Wie die Zeit

WERNER NENNICH

Geboren und aufgewachsen im Frankenwald; Studium der Germanistik, Geographie, Theologie; wohnte und lebte in Nottingham, Aix-en-Provence sowie größeren und kleineren Städten in Bayern; war als Zivildienstleistender, Lehrer, Exportkorrespondent und Betriebsrat tätig, schon immer als Privatschreiber und Dichter



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