Startseite


Literarisches von Werner Nennich



  • Ballade vom Boskoop

    
    
    Der HerrGott schaut herunter
    Auf den Boskoop, den ledrig Braunen
    Im Winter voll schmackhaft
    Wunderfruchtig, edelherb, backhaft
    Menschen, da sollt ihr staunen
    
    Ein Apfel geschenkt an die Welt
    Dergleichen Frucht dem HerrGott gefällt
    
    Doch steht der Baum einsam, auf dem Land
    Am Feldrand, uninteressant
    Fürs Biogas oder Omas Einweckglas
    Ins Gras so muss der Apfel fallen
    Aromatisch die Struktur, elegant
    Der Beste von allen
    
    Das Pärchen 
    Oktobers unter dem Baum sich küsst
    „Ach, das machen wir glatt,
    Niemand soll`s stören
    Wir nehmen mit ein paar Äpfel
    Die keiner vermisst,
    Soll`n  sie uns gehören
    Mit nach Hause, in die Stadt
    Apfelkuchen, Apfelmus, Bratapfel, den Süßen
    Zum Feste werden wir ihn genießen
    
    Doch, Oh Schreck, übers Feld quer daher
    Kommt der Bauer mit dem Schlepper schwer
    Glutrot, wutrot, blutrot im Gesicht
    „Sind meine Äpfel, wisst ihr das nicht!“
    
    
    „Doch der ganze Boden schon übersät
    Im Herbst ist es spät
    Der Baum die Früchte auf den Boden ablädt
    Kann doch nicht schaden, die letzten zu retten
    Statt auf die Erde in den Korb zu betten“
    So antworten unsere beiden Netten
    
    Der Bauer ist sauer
    „Man hat nicht gefragt
    Na klar hätte er wohl Ja gesagt
    Doch nun, Diebstahl ist`s, Apfelklau
    Geht schnell weiter, ich bin nicht heiter
    Bevor ich um mich hau
    Ihr meine Schläge beklagt“
    
    Von oben der HerrGott nach unten schaut
    `Der verlassene Baum wieder mir ist anvertraut
    Wer seinen Baum nicht ehrt
    Dem auch die Frucht nicht gehört`
    
    Das Pärchen nennen wir die Apfelretter
    Geerntet das Obst kurz vor dem frostigen Wetter
    Wo Streuobst verkommt, vergammelt ungepflückt 
    Kein Eigner mehr mit Rechthaberei entzückt
    
    `Liebespärchen von der Stadt
    Wenn`s gibt den guten Boskoopkuchen
    Kommt doch mit `nem Stück, den Feldherrn hier zu besuchen!`
    
  • Sommer, Du

    
    
    Sommer, Du großer, unendlicher
    Freundlicher, lockst uns zum Wasser, zum See, zum Meer
    Sucht Deine Sonne
    		Unsere Gesichter
    			Unsere Körper
    Erlaubt uns die Wärme, abzulegen die Kleider
    Gibt Dein Licht uns lange Tage
    		Rötet die Äpfel
    Legt Süße in den Wein, lässt die
    Zwetschgen zur Frucht werden
    Wie die Lippen der Geliebten öffnet sich die Frucht
    Bläst Du den Kürbis auf
    Rot orange, dem Mond zur Konkurrenz
    
    Sommer, Du großer, unendlicher
    Lässt stillstehen die Zeit
    Werden die heißen Tage zu einem langen Sonntag
    Lassen wir körperliche Arbeit, Anstrengung beiseite
    Suchen den Schatten mit einem Buch oder
    Einem stillen Gespräch oder
    An den warmen Abenden trinken wir
    Stoßen an mit den auffunkelnden Sternen
    Sind Sternschnuppen unser Feuerwerk
    Hinter den nächtlich aufgerissenen Fenstern
    
    Sommer, sonnengewärmte Welt
    Ihr seid meine Gäste und ich der Eure
    Treffen wir uns in der Weinstube Leben
    
    Sommer, Du großer, unendlicher
    	Was ist passiert?
    Warum wirst Du unfreundlich?
    Warum bist Du nicht mehr willkommen?
    Brennst aus wolkenlosem Himmel
    	Über das Land
    Verbrennst grünes Gras und wachsende Frucht
    Streichst die Landschaft mit Wüstengelb
    Trocknest aus zu Rinnsalen die Wasserläufe
    
    Sommer, Deine Liebe ist umgeschlagen in Strafe
    Fliehen wir vor Dir in die Kühle der Häuser
    Ist der Bäume Schatten untertags keine Zuflucht mehr
    Warten wir auf die Nacht
    Wolken mit Regen hast Du uns versagt
    
    Waren wir zu übermütig, zu weltgierig
    Mit vollen Händen haben wir uns nachgeworfen
    Die Güter der Erde
    Stehen wir vor dem angerichteten Elend
    
    Sommer, Du sonst herbeigewünschter
    Nun verwünschen wir Dich
    Wünschen Dich hinweg
    Wollen Herbststürme, atlantische Regenorgien
    Wollen Winterschnee, Moosfeuchte
    Tropfendes Geäst, gurgelnde Bäche
    Wir wollen Dich nicht mehr, Sommer
    Jeder Deiner Tage ist uns zu viel
    
    
  • Wellen, Wasser, Wolken, Wind
    
    
    Wellen, Wasser, Wolken, Wind
    Sonne, Sand, Steine, Strand
    
    Am Ufer namensverloren, wassergeboren
    Ein Mensch allein am Meer
    Ganz kurz nur er
    Dann der Strand wieder vollkommen leer
    
    Wellen, Wasser, Wolken, Wind
    Sonne, Sand, Steine, Strand
    
    Ein Mensch allein am Küstenband
    Vor ihm die Wut der Flut
    War fast nicht da
    Er schon verschwand
    
    Wellen, Wasser, Wolken, Wind
    Sonne, Sand, Steine, Strand
    
    Klein, verloren der Mensch am Strand
    Kurz gefunden der Sonne Stunden
    Abgang des Lichts im Meer verschwunden
    
    Der Atem der Brandung
    Herzschlag der Welt
    Sanduhr der Geschichte
    Die Küste zerfällt
    
    Wellen, Wasser, Wolken, Wind
    Sonne und Strand, Steine und Sand
  • la mer
    sie spülen ans land
    kein urteil
    tragen keine meinung
    deine wellen
    formulieren keine wertung
    liebt und lobt nicht dein wasser
    ist sich selbst genug
    zweckfrei fließt die flut
    entblößt die ebbe ufer und strand
    spielst du ein spiel
    nicht um zu gewinnen
    
  • Der Frühling schiebt an
    
    Der Frühling schiebt an
    Macht Stress, will weiter
    Seine Blüten, Duftwunder, Wachstumsorgien, Blättergewitter
    Alles ist Durchgang
    Immer notwendige Schönheit
    Stillstand wäre das Schlimmste
    Vorwärts, vorwärts
    Kein Halten, keine Pause
    Das Ziel der Reise noch weit
    Die Frucht, die Samen, die Vermehrung
    Fortpflanzung, mit Vollgas in den Tod
    Um neu wieder da zu sein
    Zu starten, zu explodieren
    In die Welt zu schreien
    
    LEBEN! LEBEN!
    

WERNER NENNICH

Geboren und aufgewachsen im Frankenwald; Studium der Germanistik, Geographie, Theologie; wohnte und lebte in Nottingham, Aix-en-Provence sowie größeren und kleineren Städten in Bayern; war als Zivildienstleistender, Lehrer, Exportkorrespondent und Betriebsrat tätig, schon immer als Privatschreiber und Dichter



AKTUELLES PROJEKT

Verbal
skizzen


Der Bahnhof der Zeit

Die Bibliothek der Welt

Die Gärten des Lebens

Das Kino der Erinnerung

Weitere Themen



Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten