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Literarisches von Werner Nennich



  • Der Alte BirnBaum
    Jetzt ist Frühling, Du im Hochzeitskleid
    Alter BirnBaum, Du grüßt wunderbar
    Oben vom Hang, hinterm Zaun, wie jedes Jahr
    Warst immer schon alt, warst immer schon da
    Und doch ganz neu in der Blütenzeit
    
    Stehst oben an Feldes Saum
    Blühst einmalig, so blüht nur der Birnenbaum
    Ausladend, über die Jahre gewachsen, mächtig und prächtig
    
    Hast erlebt Seuchen, Not, frühen Tod
    Flüchtlinge haben gerastet mit knappem Brot
    Fremde sind manchmal geblieben
    Wurden nicht mehr vertrieben
    Haben gelebt nun im neuen Lebensraum
    Wurden Dir vertraut
    Und Du ihnen, der Baum
    
    Alter BirnBaum
    Weiß leuchtend schaust Du herüber
    Wir zu Dir blicken hinauf, hinüber
    Du bleibst
    Wir, wir geh`n vorüber
    
    
  • abends
    wenn die nacht kommt
    wohlig weich sich über den horizont
    schiebt die decke dunkelheit
    
    wenn alles ertrinkt
    unsichtbar wird
    ununterscheidbar
    
    wenn du merkst
    das gilt nicht nur für dich
    
    : für alle :
    
    dann bist du plötzlich nicht mehr allein
    
  • `Ne Schippe Leben
    
    Noch `ne Schippe Leben zugelegt
    Hurrah wir leben noch
    Spüren Sonne auf der Haut
    Wenn wieder warm der Himmel blaut
    Des Winters Starre weggefegt
    Insekten, Vögel, Menschen wieder aufgeregt
    
    Die Welt ruft: Kaffee oder Bier
    Ich bin hier und ihr mit mir
    Kuchen, Würste, Brezel nach Pläsier
    
    Im Freien, Im Freien
    Draußen, Draußen
    Da lasst uns schmausen
    Trinken, lachen, versinken
    
    Lange Tage, Abende warm, Nächte lau
    Sind wir noch da, schau!
    Noch `ne Schippe Leben
    Na klar!
    
  • Taxi zum Bahnhof
    Das Heute
    Das ist der Anfang
    Das ist der Ausgang
    Das ist der Abgang
    
    Das ist eine Treppe
    Das ist ein kurzer Pfad
    Das ist ein Durchgang
    Das ist eine Brücke
    
    Das ist ein Fahrzeug
    Das ist das Taxi `Heute`
    
    Es fährt durch die Stadt `Jetzt`
    Es fährt ziellos mit Ziel
    Wir wissen es nicht
    
    Das Sammeltaxi `Heute` versammelt die Zufallsgesichter
    Leute wie wir, Stadtgelichter
    Das Sammeltaxi `Heute` bringt uns
    Zur U-Bahnlinie `U-Unendlich`
    
    Der Tag wird zur Nacht
    Durch die Röhre fahren wir
    Zur Station `Bahnhof der Zeit`
    
    Der Tag, Das Heute, Das Jetzt, Der Kairos
    
    Da ist der Aufzug `Zum Licht`
    Der trägt uns noch oben
    Durch die Kuppel des Bahnhofs
    Schimmert die Sonne auf den Bahnsteig 
    Blinzelt Tageslicht über die Gleise des Lebens
    
  • Pandemisches Leben
     Nichts wird mehr sein
     wie es war, Pandemisches Leben
     wird uns bleiben auf Jahre
     jeder Nächste ein Risiko
     eine Gefahr immer vorhanden
     atmet weltweit der Tod unseren Atem
     sprechen unsere Lippen 
     wird Einlass gewährt dem Virus
     oder Ausgang für einen Ausflug
     in die Welt mit anthropogenen Zielen.
    
     Die große Kränkung hat vertrieben
     den Allmachtstolz menschlichen Regierens
     geblieben ein ständiges Reagieren
     getrieben von viralen Varianten, viralen Mutanten.
    
     Wir hinterher, ungelenk, immer knapp zu spät.
    
     Nichts wird mehr sein 
     wie es war, Pandemisches Leben
     alle gleich auf dem Globus, gleich verletzbar
     miteinander, aneinander, aufeinander angewiesen
     geworfen, gleich nackt, viral verwundbar
    
     und nur zusammen, nur wenn alle, dann heilbar.
    
    


WERNER NENNICH

Geboren und aufgewachsen im Frankenwald; Studium der Germanistik, Geographie, Theologie; wohnte und lebte in Nottingham, Aix-en-Provence sowie größeren und kleineren Städten in Bayern; war als Zivildienstleistender, Lehrer, Exportkorrespondent und Betriebsrat tätig, schon immer als Privatschreiber und Dichter



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