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Literarisches von Werner Nennich



  • Zu viel
    
    Zu viel Sonne macht blind
    Zu viel Wärme erdrückt die Gedanken
    Zu viel Licht zerstört das Bild
    Zu viel Leichtigkeit lässt jeden Halt verloren gehen
    Zu viele Töne verdecken die Melodie
    Zu viel Genuss tötet das Elementare
    Zu viel Freiheit mündet ins Nichts
    Zu viel Leben löscht das Selbst
    Zu viel löst alles auf
    
  • Schatten der Nacht
    Wenn die Nacht Dich zudeckt
    Sich das Tuch der Namenlosigkeit
    		Über Dich breitet
    Wenn Du Dich nicht mehr kennst
    		Noch Tag, noch Stunde
    Die Welt zum Stillstand kommt
    Das Ich aufgelöst
    Du ins Nachtkino gesetzt wirst
    Vegetativ gesteuert
    Dich selbst auf der Leinwand siehst
    Und nicht weißt
    Wer es ist
    
    Dann bist Du frei
    Raus aus Zeit und Raum
    Raus aus Ich und Du
    
    Leuchtspur, Staubfaden, Schatten der Nacht
    
  • SommerFrühling
    Wir baden in den Tagen
    Legen uns in den Wind
    Stellen unseren Körper in die Wärme
    	Unsere Seele ins Licht
    
    Die milden Nächte sind freundlich und kurz
    Und die Vögel rufen sich zu: Leben! Leben!
    
    Mit dem Frühling werden auch wir grün
    	Geschmeidig unsere Glieder
    	Duften unsere Herzen
    	Sind leicht wie der Blumen Blütengewand
    
    Wir baden in der freundlichen Zeit
    Wir legen ab die Kleider von Krankheit und Kränkung
    
    Wir legen uns in die Zeit
    Werden Zeit
    Vergehen nicht
    Bleiben
    
    Jetzt
    
  • Windverben (Wind3)
    Der Hauch quillt, die Luft schwillt
    Der Odem fächelt, mild der Wind Dir lächelt
    Als Sturm schlitzt und schleißt er die Fahnen
    Bläht, fängt sich in der Segel Bahnen
    Der Winde Schar durch die kahlen Äste rennt
    Ein kräftiger Stoß die Nadelkronen kämmt
    
    Wo Wind, da ist Zeit, oft bewegt von West nach Osten
    Er jagt, er heult durch der Landschaft Kleid
    Streichelt die Felder, durchströmt die Wälder
    Lässt erzittern der Wiesen Millionen Halme
    Beäugt, verbeugt das Blätterhaupt der Palme
    Wirbelt den Dreck, den Staub, das trocken Laub
    Hinauf, weg vom Boden, Luftfracht
    Feinstaub in den Himmel gebracht
    Haff und Bodden, Dünenstrand
    Reißt Wellen auf, wirft Wasser aufs Land
    Feuchter Staub der hochgeworfenen Gischt
    Dir salzig um die Mundwinkel zischt …
    
  • Windsprache

    Taglang der Wind rauscht
    Und legt sich nachts um die Häuser
    
    Zephyrs Rosse
    Durch den Kopf Dir galoppieren
    Wind durch die Berge stürmt
    Die Felsen zu polieren
    Die Worte zum Kern hin zu schleifen
    
    Mit den Ästen winkt Meister Mistral
    Lässt das Meer schäumen
    Und wirft den Sinn der Welt 
    Wie Spucke übers Land
    
    Salzig der Geschmack
    Hat einen Stich von Blut
    
    Der Kopf einer Natter
    Steigt die Fahrt des Windes nach oben
    Weltende dröhnt
    Durch die Ritzen der Bauten
    
    Doch dann:
    Die Schlange wird zum Teppich
    Bettet weich meine Gedanken
    Gibt Heimat
    Den feierlich freundlichen Liedern
    

WERNER NENNICH

Geboren und aufgewachsen im Frankenwald; Studium der Germanistik, Geographie, Theologie; wohnte und lebte in Nottingham, Aix-en-Provence sowie größeren und kleineren Städten in Bayern; war als Zivildienstleistender, Lehrer, Exportkorrespondent und Betriebsrat tätig, schon immer als Privatschreiber und Dichter



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