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Literarisches von Werner Nennich



  • Vogelflug
    Die Vögel sammeln sich zum Flug
    Kürzer werden die noch hellen Tage
    Der Sonnenstunden hatten wir genug
    Der Vögel Sinn erspürt die Lage
     
    „Wir müssen weg, Wir müssen das zusammen tun!“
    So zwitschern, so tschitschern sie im Heckengebüsch
    Die Luft wird frisch, blank bald der Tisch
    Sie schnäbeln und krägeln
    Sie rattern, rasseln, manche Stimme belegt
    Der ganze Haufen extrem aufgeregt
    „Wir müssen jetzt weg, keine Zeit zu ruhn!“
     
    In die Luft steigt die Vogelschar
    Nochmal über die Gärten, Abschiedsrunde wunderbar
    Dann hinauf in die Luft, nach Süden hin
     
    Ich stehe im Garten, mein Geist fliegt, in die Weite mein Sinn
    Von euch Seglern geschieden
    Ich bin, der zurück geblieben
  • Nebel
    Nebel an den Bergflanken hängt
    Nebel übers Meer, übers Ufer, den Strand, auf Land sich drängt
    Wochenlang im Nebel die Poebene versteckt
    Tagelang ein Nebelband den Lauf der Donau bedeckt
     
    Nebel, Grisaille, Wasserdunst das Gesicht kühl, feucht verspürt
    Nebel, zu den Klippen, zum Abgrund den Wandrer verführt
     
    Nebel, alles Bekannte wird fremd
    Nebel, bist Verkleidung, der Welt verhüllend Hemd
     
    Nebel, schluckst die Form
                                    schluckst das Licht
                                                   schluckst den Ton
    Nebel, bist Decke, schützend und Isolation
     
    Dann magisch der Schleier fast im Nu vergeht
    Unverändert, nackt, klar, offenbar, die Welt vor Dir steht
  • Herbst

    Herbstsentenz I

    Dumpf ins Gras der Apfel fällt

    Ade Sommer

    Ade Welt

    Herbstsentenz II

    Das Blatt, das fällt vom Ginkgobaum

    Aus der Sommer

    Aus der Traum

  • Der Sommer kippt

    Der Sommer kippt
    Gelbe Blätter durchsetzen die grünen Kronen
    Gewitteraufwind reißt sie ab
    Treibt sie über die Straße

    Apfelbeladene Fruchtcluster drücken
    Schwer, schwerer die Äste nach unten
    Erstes Asternauge, gelb, lilagerandet blickt in die Welt
    Frühreife Zwetschgen rufen nach Zimt
    Kürbis wächst: Seht mich nur an !
    Wie ein Wunder

    Die junge Generation Wespen
    So süß, so unschuldig
    Wollen sich laben
    Krabbeln über Deine Zuckerlippen
    Einfach ruhig bleiben
    Die Augen schließen
    Nichts passiert

    Nachgewitter, Dampfschwaden stehen vor und über dem Wald
    Die Nacht fängt an zu drängeln
    Wärmer die Luft im Dunkeln
    Lässt sich’s anstoßen auf die Welt und das Ewige Leben
    Weiß der Schaum im Glas
    Wie das Papier des Vergessens
    Die Zukunft auf Sicht
    Verliert sich der Garten im Dunkel
    Vor die Vergangenheit der Vorhang der Nacht gezogen

    Morgen, am Morgen
    Denn das Spätsommerwasser ist am wärmsten
    Morgen, gleich nach dem Aufstehen
    Hinein ins Wasser
    Komplett, nackt, auch der Kopf taucht unter
    Schöpfungsmoment: Ich bin der erste Mensch
    Spät in der Frühe

  • Sommer

    Schnell kommt der Abend, die Nacht, steht die Wärme noch in der Welt. Im Garten, in den Städten, auch der Wald von Hitzeschwaden durchzogen, die kein Wind vertreibt, die von der Kühle der Atmosphäre langsam abgelöst werden, dann die Waldkühle bis in den Vormittag hinein konservieren, woanders schon wieder Hitze auf dem Stein, Schweiß auf der Stirn.

    Vor der Dunkelheit orangegelb, rotstichig, letztes flammendes Licht am westlichen Horizont. Dann die Sterne, heller leuchtend die Planeten, ein heller Hof im Osten kündet vom Aufstieg des Trabanten Mond.

WERNER NENNICH

Geboren und aufgewachsen im Frankenwald; Studium der Germanistik, Geographie, Theologie; wohnte und lebte in Nottingham, Aix-en-Provence sowie größeren und kleineren Städten in Bayern; war als Zivildienstleistender, Lehrer, Exportkorrespondent und Betriebsrat tätig, schon immer als Privatschreiber und Dichter



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